#KodexWende

#FutureGoodGovernance

Kodex-Konsultation: Geballte Kritik – auch am „Apply-and-Explain“-Prinzip. Ein Kompromissvorschlag.

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Mein Gedächtnis trügt womöglich, aber ich kann mich nicht an derart geballten Widerstand gegen eine Reform des Deutschen Corporate Governance Kodex erinnern: Von Unternehmen wie K+S über den Deutschen Investor Relations Verband (DIRK) bis hin zu unserer Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland (VARD) haben unterschiedliche Stakeholder den Entwurf der Regierungskommission kritisiert; mehr als 100 Stellungnahmen gingen im Konsultationsverfahren ein.

Das zeigt, dass die Corporate-Governance-Debatte in Deutschland lebt (gut so!) – und dass der Kodex noch längst nicht fertig ist. Wer sich die Stellungnahmen anschaut, wird feststellen: Neben der unveränderten Detailtiefe sorgt auch das geplante „Apply-and-Explain“-Prinzip für Unmut. Von einer „Aufblähung der Berichte ohne inhaltlichen Mehrwert“ ist die Rede und von einem „Widerspruch zum bewährten Comply-or-Explain-Prinzip“.

Ich habe im Januar bereits begründet, warum ich das Vorhaben der Regierungskommission ablehne. Allerdings möchte ich nochmal betonen: Prinzipiell halte ich das „Apply-and-Explain“-Prinzip für eine gute Sache, weil es Reflexion und Diskussion über Corporate-Governance-Themen anregt.

Der britische Kodex als Blaupause?

Die Regierungskommission macht es sich aber zu leicht, wenn sie das aus der monistischen Welt stammende Prinzip einfach übernimmt, ohne es auf unsere Corporate-Governance-Kultur zuzuschneiden: Damit „Apply and Explain“ seine positive Wirkung entfalten kann, darf es nicht als zusätzliche Auflage daherkommen, die den bürokratischen Aufwand weiter erhöht.

Die klarste Lösung wäre deshalb ein Kodex, der aus wenigen prägnanten Leitlinien besteht – und damit Spielraum für Diskussionen, individuelle Umsetzungen und deren Erläuterung schafft. Allerdings zeigt ein Blick über den Tellerrand, dass auch ein zielorientiertes Miteinander von „Apply and Explain“ und „Comply and Explain“ möglich ist.

So unterscheidet der neue britische Corporate-Governance-Kodex zwischen 18 zentralen „Prinzipien“ („the heart of the code“), die Unternehmen individuell umsetzen sollen („apply“). Ergänzend dazu gibt es detailliertere Empfehlungen, für die „Comply-or-Explain“ gilt.

VARD startet Initiative #KodexWende

Sicher: Auch dieses Modell können wir nicht 1:1 auf unser Two-Tier-System übertragen. Aber es zeigt, dass sich unterschiedliche Ansätze hervorragend ergänzen können. Der neue britische Kodex bietet deshalb nicht nur wertvolle Anregungen für die anstehende Diskussion über eine Governance-Reform, sondern zeigt auch mögliche Kompromisslinien auf.

Die Diskussion wollen wir unabhängig davon führen, ob und inwieweit die Regierungskommission im Rahmen des Konsultationsverfahrens auf die geballte Kritik eingeht. Deshalb hat VARD in dieser Woche die Initiative #KodexWende gestartet. Wir sind überzeugt: Der Entwurf lässt sich nicht durch ein paar Kürzungen „reparieren“ – wir brauchen einen ganz neuen Ansatz. Eine #KodexWende eben.

Zudem freuen wir uns, dass der Vordenker des ‚apply-and-explain‘-Prinzips und Mitverfasser des nach ihm benannten südafrikanischen Kodexes („KING IV“), Mervyn King, am 27./28. Juni zum 15. Deutschen Aufsichtsratstag (#DART15) kommen wird. Möge die Diskussion beginnen.

Ergänzungen, Anmerkungen, Widerspruch? Ich freue mich auf Ihr Feedback: dehnen@vard.de

Editorial von Peter H. Dehnen -> Zur Person.

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