#KodexWende

#FutureGoodGovernance

#FutureGoodGovernance – das Projekt

DART15

In den vergangenen Jahren haben wir uns an der so genannten Regierungskommission und ihrem sogenannten Kodex, dem DCGK, abgearbeitet. Vor fast genau zwei Jahren haben wir einen eigenen Entwurf, den Kodex2018, zur Diskussion gestellt und seitdem mit unserer Initiative #KodexWende der Corporate Governance Diskussion immer wieder Impulse gegeben.

Haben wir mit unseren Argumenten etwas bewirkt? Hat in den vergangenen Jahren – die Corporate-Governance-Industrie ausgenommen – überhaupt jemand etwas zum Wohle der Unternehmen und ihrer Corporate Governance bewirkt? Die traurige Antwort lautet: NEIN.

Die globale Corporate Governance Diskussion hat sich in den vergangenen drei Jahren rasant weiter entwickelt. Nur wir in Deutschland sind auf dem Stand von vor zehn Jahren stehen geblieben. Zum Ende dieses Monats feiert die Regierungskommission – endlich mal wieder – eine Party und die geladenen Gäste (ja, ich bin auch eingeladen und werde hingehen) dürfen gespannt sein, welche neuen Entwicklungen zum Kodex verkündet werden. Wenn es stimmt, was man so hört, dann wird – neben der Vorstandsvergütung – ein neuer Höhepunkt die Verpflichtung des Aufsichtsrates sein, jährlich über seine Fortbildungsmaßnahmen zu berichten. Wenn das der Weg ist, der der Corporate Governance Diskussion in Deutschland die Richtung zu weisen, dann rufe ich mit Heinrich Heine aus: „Denke ich an Deutschland in der Nacht, Dann bin ich um den Schlaf gebracht“.

Scherz beiseite. Man kann zu der Regierungskommission und dem DCGK stehen wie man will. Fakt ist und bleibt, dass die Zukunft der Corporate Governance verantwortlich nur von den gestaltet werden kann, die in Unternehmen volle Verantwortung zu tragen. Und es ist an der Zeit, dass die nächste Corporate Governance Generation heute das Zepter in die Hand nimmt und aktiv wird. Es ist an der Zeit, sich der Zukunft zuzuwenden, denn die Zukunft hat bereits heute begonnen.

Wie sieht die Corporate Governance der Zukunft aus? Die Antwort kennt – zum Glück – niemand. Aber es gibt eine Wahl. Entweder man lässt andere bestimmen. Oder man gestaltet selber – am besten zusammen mit Entscheidern, die die gleichen Werte und Überzeugungen teilen.

Die Zeit ist reif für neue Ideen und Konzepte. Schon heute – in Zeiten von Cyber, Digitalisierung, NewWork und Stakeholder Value – müssen Entscheider zukunftsgerichtete Antworten geben können: Wie wollen wir heute und in der Zukunft miteinander umgehen? Was bedeutet soziale Verantwortung? Welche Rolle spielt bei alledem noch Geld? Wird es Unternehmen – so wie wie sie heute kennen – in Zukunft überhaupt noch geben? Müssen die Begriffe Arbeit, Arbeitnehmer, Arbeitnehmervertretung neu definiert werden? Gibt es neue Möglichkeiten der Überwachung des Vorstands? Brauchen wir in der Zukunft noch Wirtschaftsprüfer? Kann die Politik die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit und gleichzeitig die Wirtschaft lenken? … Dies sind nur einige wenige Fragen.

Diese Fragen kann man natürlich nicht richtig oder falsch beantworten. Es kommt wie immer auf die Perspektive an und darauf, in welchem Kontext die Frage gestellt wird. Und natürlich, von wem.

Und hier startet unser Experiment.

Bevor jeder für sich halbfertige Antworten gibt, sollten wir miteinander reden und voneinander lernen. Und irgendwo muss man anfangen und man darf sich keine Grenzen setzen. Und deshalb freue ich mich ganz besonders, dass heute Herr Seifert bei uns ist. Wenn auch dem (Un)Ruhestand nahe, ist Corporate Governance in Deutschland ohne Herrn Seifert nicht zu denken. Also wer, wenn nicht er, kann uns sagen, wie wir im Bereich der Unternehmensführung und – überwachung zu weniger, dafür aber besseren Gesetzen kommen können. Und was zu tun wäre, damit sich die Politik und die Exekutive endlich mal mit den Niederungen der Unternehmensführung in der heutigen Zeit beschäftigen und Unternehmen auf dem Weg in die Zukunft konstruktiv begleitet, statt sie mit immer neuen Regelungen (siehe DCGK) zu drangsalieren.

Das alles waren die Grundüberlegungen für die Initiative # FutureGoodGovernance. Etwas Neues wagen. Für Veränderungsprozesse einen gedanklichen Rahmen schaffen. Einen Dialogprozess starten, der Meinungen einfordert und keine Ergebnisse vorgibt. Mit anderen Worten: Der Weg ist das Ziel!

Deshalb freue ich mich, dass Sie heute zum 15.DART gekommen sind, um zu „arbeiten“.

Bei #FutureGoodGovernance geht es um IHRE Erfahrungen und mutige Ideen für eine neue Zeit. Betrachten Sie den heutigen Vormittag bitte als „warm-up“ und den Workshop am Nachmittag (eine deutsche Corporate Governance Premiere) als „work-out“. Alle Ergebnisse werden wir sorgfältig auswerten und dokumentieren, damit sie die Grundlage für weitere Diskussionen bieten. Und wer weiß, vielleicht steht am Ende ein Pamphlet, das den Unternehmen bei der Gestaltung und Kommunikation IHRER individuellen Corporate Governance als praxistaugliche Leitlinie dient.

Und wer nach dem heutigen Tag immer noch Power hat und sich weiter einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, bei einem Buchprojekt mitzumachen, das sich selbstredend mit #FutureGoodGovernance befasst. Wir haben zu insgesamt neun Themenkomplexen Fragen aufgeschrieben, die bei der Formulierung eigener Gedanken zur Zukunft der Corporate Governance als Inspiration und Stimulation dienen sollen. Sie befinden sich dabei in guter Gesellschaft. Viele Vorstandsvorsitzende von DAX160-Unternehmen (die ARVs der Zukunft) sind dem Aufruf bereits gefolgt. Machen auch Sie mit. Ich würde mich sehr freuen!

 

Impulsvortrag zum 15. Deutschen Aufsichtsratstag am 04. / 05. November 2019 im Industrie-Club Düsseldorf.

Ergänzungen, Anmerkungen, Widerspruch? Ich freue mich auf Ihr Feedback: dehnen@vard.de

Editorial von Peter H. Dehnen -> Zur Person.